Über hundert Jahre behauptet sich die „wichtigste aller Künste”, die Filmkunst.
Millionen Werke hat sie in kurzer Spanne hervorgebracht, aber wie viele sind im Gedächtnis geblieben? Oft ist es nur noch ein Foto, das als letztes Zeugnis vom glanzvollen Auftritt des Schauspielers kündet, doch manchmal lassen sich ganze Geschichten durch Serien von Standfotos rekonstruieren.
Der Ankauf einer bedeutenden Fotosammlung im Januar 2008 – dank finanzieller Unterstützung durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur – hat das Filmmuseum in diese glückliche Lage gebracht.
Die 6.000 Schwarz-Weiß-Fotos repräsentieren ca. 900 Filme, vorwiegend aus der Zeit vor 1945. Dabei handelt es sich um Kino-Aushangfotos und eine große Anzahl wertvoller Vintage Prints, die als Druckvorlagen für die Presse genutzt wurden.
Zu den spektakulärsten Stücken gehören 49 Standfotos des als verschollen geltenden Films „Four Devils“ (1928) von Friedrich Wilhelm Murnau. Arbeiten von Richard Oswald sind ebenso vertreten wie von Karl Grune, Georg Wilhelm Pabst, Mauritz Stiller, René Clair oder Edward Sedgwick. Aufnahmen vom Neubabelsberger Studiobetrieb ergänzen den Bestand des Museums.
Erstmalig wurden hier einige Raritäten und Höhepunkte der Stumm- und Tonfilmära im Bild vorgestellt und offenbarten eine erstaunliche thematische Vielfalt:
Die Geschichte des Afrikaners „Samba” (1928) faszinierte durch ihre Exotik ebenso wie die erste „Tarzan”-Darstellung durch Johnny Weissmuller (1932). Der übersinnlichen Schönheit Greta Garbos in „Totentanz der Liebe” (1926) stand das Leiden Paula Wesselys als Erzherzogin Marie Louise („So endete eine Liebe”, 1934) in nichts nach und die erste Verfilmung von Leroux’ Schauerroman „Das Phantom der Oper” (1925) weckte ebenso die Phantasie wie Pabsts Vision der „Herrin von Atlantis” (1932).

Bildunterschrift: Little Women R: G. Cukor, USA 1933

Bildunterschrift: Tarzan R: W.S.van Dyke, USA 1932

Bildunterschrift: The Scarlet Empress R: J. von Sternberg, USA 1934

Bildunterschrift: The Phantom of the Opera R: R. Julian, USA 1925

Bildunterschrift: Four Devils R: F.W. Murnau, USA 1928

Bildunterschrift: Four Devils R: F.W.Murnau, USA 1928

Bildunterschrift: R. Oswald beim Dreh von „Cagliostro” (1928/29)

Bildunterschrift: Das Logierhaus für Gentleman R: R. Oswald, 1921/22

Bildunterschrift: Villa Falconieri R: R. Oswald, D/I 1928
Im Museumskino konnte man einigen „Foto-Geschichten” als bewegte Bilder auf der Leinwand wieder begegnen:
Totentanz der Liebe The Temptress
R: Mauritz Stiller, Fred Niblo, D: Greta Garbo, Antonio Moreno, USA 1926, engl. ZT, 96’
Violanta
R: Paul Ostermayr, D: Annelies Reinhold, Richard Häußler, Hans Schlenck, D 1941/42, 98′
Das Phantom der Oper The Phantom of the Opera
R: Rupert Julian, Lon Chaney, Edward Sedgwick, D: Lon Chaney, Mary Philbin, USA 1925, engl. ZT, 83′
Die Million Le Million
R: René Claire, D: René Lefebvre, Louis Allibert, Annabella, F 1931, 75′
Die Herrin von Atlantis
R: Georg Wilhelm Pabst, D: Brigitte Helm, Odette Florelle, Gustav Diessl, D 1932, 79′



