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Blick in den Kinosaal, Foto: h neun, Berlin
Blick in den Kinosaal, Foto: h neun, Berlin 

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„Luise. Königin der Herzen”
Begleitprogramm zur Wechselausstellung

2010

Abgedreht |
Cinema! Italia! | „Zwischen allen Stühlen“ – Die Tagebücher Victor Klemperers | Stummfilm mit Livemusik: Die Frau, nach der man sich sehnt

Abgedreht


Filmabend zu den Aktionstagen „Zur Darstellung psychisch kranker Menschen in den Medien“
1. Oktober 2010, 18 Uhr
Eine Veranstaltung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Brandenburg e.V. in Kooperation mit dem Filmmuseum Potsdam.

Der achte Aktionstag zur Darstellung psychisch kranker Menschen in den Medien steht unter dem Titel „Von der Anstalt zur Inklusion“ und beleuchtet wesentliche Wendepunkte in der Psychiatrie.
20 Jahre nach der Wiedervereinigung kommt mit dem Film „Die Hölle von „Ueckermünde“ ein sehr beeindruckendes filmisches Dokument der Anstaltsbetreuung aus dem Jahr 1993 nochmals zur Aufführung. In der anschließenden Podiumsdiskussion besteht die Gelegenheit, mit dem Autor und Regisseur Ernst Klee sowie weiteren Zeitzeugen diesen aufrüttelnden Film speziell in seiner Bedeutung für den folgenden Prozess der Enthospitalisierung zu bewerten.
Mit dem Begriff der Inklusion soll auf einen weiteren Wendepunkt in der Psychiatrie hingewiesen werden, der ganz aktuell durch die UN-Behindertenrechtskonvention aus dem Jahr 2009 bestimmt wurde. Die Konvention stellt die Rechte von Menschen mit Behinderungen in den Rang von Menschenrechten, so dass auch in der aktuellen Debatte Fragen zum Menschenbild und zur inklusiven Lebenssituation von psychisch kranken Menschen aufgeworfen werden.
Die damit aufgerufene Institutionskritik wird zum Abschluss des Filmabends mit „Einer flog über das Kuckucksnest“ in einem weiteren filmischen Meilenstein zu sehen sein und die Zuschauer fesseln.


Ablauf:
18:00
Begrüßung: Christine Großer (Vorstand, Der PARITÄTISCHE), Elona Müller (Beigeordnete der Stadt Potsdam)
18:30
Die Hölle von Ueckermünde
R: Ernst Klee, D 1993, Dok., 43’
19:15
Podiumsdiskussion: „Von der Anstalt zur Inklusion – Wendepunkte in der Psychiatrie“
mit Ernst Klee (Autor und Regisseur, angefragt), Cordula Lemcke (Mitarbeiterin bei der AWO Betreuungsdienste, Wittstock), Andreas Habicht (ehem. Leiter des Heimbereichs der Klinik Brandenburg-Görden), Dr. Jörgen Fuchs (ehem. Leiter der Fachambulanz der Nervenklinik Schwerin)
20:00
Empfang im Foyer
Musikalisches Rahmenprogramm: „Music Accent“
20:30
Einer flog über das Kuckucksnest
R: Miloš Forman, D: Jack Nicholson, Louise Fletcher, Danny DeVito, USA 1975, 133’

Zu den Filmen:
Die Hölle von Ueckermünde
R: Ernst Klee, D 1993
Diese Reportage, erstmals 1993 in der ARD ausgestrahlt, gilt bis heute als Prüfstein für die Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Deutschland. Am Beispiel zweier Anstalten in den neuen Bundesländern zeigt der Film einen teilweise schockierenden Umgang mit behinderten Menschen, der in keiner Weise zeitgemäß erscheint.

Einer flog über das Kuckucksnest
R: Miloš Forman, USA 1975
Randle Patrick McMurphy, Trinker und Raufbold, wird in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, wo sein Geisteszustand untersucht werden soll. Er begehrt gegen das von Schwester Ratched perfekt organisierte System auf, dessen Repressionen die Patienten hilflos ausgeliefert sind.
Ausgezeichnet mit fünf Oscars brachte der Film dem aus der Tschechoslowakei emigrierten Miloš Forman den Durchbruch und frischen, populären Wind in die „Psychatrie-Debatte“.

Cinema! Italia!


Filmreihe vom 21. bis 27. Oktober 2010
Gemeinsam mit IL PONTE Brandenburgische Gesellschaft der Freunde Italiens e.V. präsentiert das Filmmuseum Potsdam

Cinema! Italia! Als bundesweite Tournee greift die Filmreihe mit sechs jungen, engagierten und brandneuen Autorenfilmen unverfälscht das auf, was aktuell in der italienischen Gesellschaft diskutiert wird. Sie bietet einen zugänglichen, aber erlebnisreichen und spannenden Einblick in die Gegenwart und die Geschichte Italiens, in Kultur und Lebensart – und zeigt reizvolle Regionen dieses Landes. Alle Filme werden in deutsch untertitelten Originalfassungen gezeigt.

Die Kosmonautin Cosmonauta
R: Susanna Nicchiarelli, D: Miriana Raschillā, Claudia Pandolfi, Pietro Del Giudice, I 2009, OmU, 85’
Es ist das Jahr 1957 in Italien, und die Sowjets haben die Hündin Laika ins All geschossen. Luciana ist neun Jahre alt, läuft bei der Erstkommunionsfeier aus der Kirche weg und erklärt ihrer verdatterten Familie: "Ich gehe da nicht mehr hin, ich bin Kommunistin!" Angestachelt von ihrem älteren Bruder, begeistert sie sich für die sowjetische Raumfahrt und fiebert mit, wenn es darum geht, schneller als die Amerikaner zu sein. 1963 ist Lucia 15 Jahre alt, Mitglied des kommunistischen Jugendverbandes, engagiert sich leidenschaftlich für die Ideale der Revolution und schwärmt für den gutaussehenden Gruppenleiter. Aber Luciana zu impulsiv und unkonventionell. Bald muss sie feststellen, dass Frauen, die Ideen haben und versuchen sich durchzusetzen, selbst unter Kommunisten nicht unbedingt erwünscht sind. Sie muss das Lösen ihrer Probleme selbst in die Hand nehmen.
Humorvoll und selbstironisch, aber auch präzise in den zeithistorischen Details erzählt Susanna Nicchiarelli vom Erwachsenwerden einer sympathisch-aufmüpfigen Heldin. Beim Frauenfilmfestival Köln-Dortmund 2010 gewann „Die Kosmonautin“ den Hauptpreis als Bester Film.

Fort Apache Fortapāsc
R: Marco Risi, D: Libero De Rienzo, Massimiliano Galli, Michele Riondino, I 2009, OmU, 106’
„Fortapāsc” ist neapolitanischer Slang für „Fort Apache”, mit dem ironischen Westerntitel meinte man in den 1980er Jahren Torre Annunziata, eine heruntergekommene Vorstadt von Neapel, die sich damals vollständig im Griff der Camorra befand. Ausgerechnet hierhin verschlägt es den jungen Journalisten Giancarlo Siani auf der Suche nach einer guten Story. Es ist die Zeit der Bandenkriege zwischen Gangsterboss Valentino Gionta und dem Clan der Nuvoletta. Mit seinem jungenhaften Aussehen und seiner alten Reiseschreibmaschine wirkt Siani zunächst unbedarft, aber bald kommt er Korruptionsskandalen und geheimen Verbindungen zwischen Mafia, Justiz und Industrie auf die Spur.
Eine wahre Geschichte: Den Journalisten Giancarlo Siani gab es wirklich, er wurde am 23.9.1985 von Auftragskillern erschossen. Ähnlich wie Matteo Garrones Film „Gomorrha“ zeigt Marco Risi in Form eines spannenden Thrillers schonungslos, wie das organisierte Verbrechen weit in die italienische Politik und Gesellschaft hineinragt. Zugleich ist sein Film das bewegende Porträt eines mutigen jungen Mannes, der sein Leben riskiert, um dagegen anzukämpfen.


Die 1000 Euro-Generation Generazione mille euro
R: Massimo Venier, D: Alessandro Tiberi, Valentina Lodovini, Carolina Crescentini, I 2009, OmU, 101’
Der 30-jährige Matteo ist eigentlich ein überaus begabter Mathematiker. Doch nach Ende des Studiums gelingt es ihm kaum, sich über Wasser zu halten: Er hat einen unsicheren Job, mit dem er kaum die Miete für das WG-Zimmer bezahlen kann. Außerdem scheint seine Freundin nichts mehr von ihm wissen zu wollen. Doch dann lernt er zwei aufregende Frauen kennen: Beatrice, die als neue Mitbewohnerin einzieht, und Angelica, die die Marketingabteilung seiner „Firma“ übernimmt. Plötzlich ist Matteo wieder obenauf und hat den Kopf voller Pläne.
Eine Komödie am Puls der Zeit – die auch Licht auf eine Generation wirft, die lernen muss auf Dauer mit 1000 Euro monatlich zu überleben, ohne dabei den Verstand zu verlieren.

Die Reise ans Schwarze Meer Mar nero
R: Federico Bondi, D: Ilaria Occhini, Dorotheea Petre, Corso Salani, I 2008, OmU, 90’
Zwei Frauen im gleichen Haus in Florenz: Gemma, eine ältere vornehme Italienerin, die vor kurzem Witwe geworden ist, und ihre junge rumänische Haushaltshilfe Angela, die nach Italien gekommen ist, um Geld zu verdienen und ihrem kleinen Sohn eine Ausbildung zu ermöglichen. Im täglichen Miteinander neigt die anfangs mürrische Gemma zum Kommandieren, stellt aber bald fest, dass auch Angela ihren eigenen Kopf hat. Langsam entsteht eine Freundschaft, und Gemma findet ihre Lebensfreude wieder.
Als Angela erfährt, dass ihr in Rumänien gebliebener Ehemann auf unerklärliche Weise verschwunden ist, möchte die junge Frau sofort in ihre Heimat zurück, aber Gemma will nicht wieder allein gelassen werden. So beschließen die Frauen eine gemeinsame Reise …
Eine anrührende Geschichte von Solidarität und Freundschaft, getragen von zwei großartigen Schauspielerinnen; Ilaria Occhini wurde für ihre Rolle als Gemma beim Filmfestival von Locarno mit dem Silbernen Leoparden als Beste Darstellerin ausgezeichnet.

Eine Sache des Herzens Questione di cuore
R: Francesca Archibugi, D: Kim Rossi Stuart, Antonio Albanese, Micaela Ramazzotti, I 2009, OmU, 110’
Alberto, ein erfolgreicher, etwas verrückter Drehbuchautor und Angelo, ein junger Automechaniker, erleiden beide einen Herzinfarkt und werden in derselben Nacht ins Krankenhaus eingeliefert. Trotz misslicher Lage gelingt es den beiden, sich gegenseitig bei Laune zu halten. Alberto, dem zwischenzeitlich seine Freundin wegläuft, zieht nach Entlassung bei Angelo ein. Dessen Frau Rossana und die beiden Kinder sind zunächst wenig begeistert. Doch während sich der muntere Alberto schnell integriert, spürt Angelo, dass die „Sache mit dem Herz” für ihn noch keineswegs ausgestanden ist …
Angesiedelt in der quirligen Atmosphäre des römischen Vororts Pigneto, erzählt Francesca Archibugis neuer Film eine Geschichte, die leichtfüßig daherkommt, aber auf vielschichtige Weise die großen Fragen des Lebens anspricht. Komische und nachdenkliche Momente wechseln sich in diesem tollen Schauspielerfilm ab. Nicht überraschend wurde der Film in Italien zum großen Publikumserfolg.

Der Mann in Schwarz L’uomo nero
R: Sergio Rubini, D: Sergio Rubini, Valeria Golino, Fabrizio Gifuni, I 2009, OmU, 117‘
Gabriele kehrt in sein apulisches Heimatdorf zurück. Die Begegnung mit seinem Vater weckt in ihm lebhafte Erinnerungen an seine Kindheit als Einzelkind, das die kleinen Spinnereien der Erwachsenen beobachtet: seine liebevolle Mutter, die lange, freundliche Gespräche mit den Verstorbenen führte, sein schwärmerischer Onkel und schließlich der Vater, ein kunstinteressierter Bahnhofsvorsteher mit einem Faible für Paul Cézanne.
Schauspieler und Regisseur Sergio Rubini ist seit Jahren der filmische Poet des italienischen Südens und speziell seiner Heimat Apulien; mit “La terra” gewann er 2007 den Cinema Italia-Publikumspreis. In L’uomo nero gelingt ihm mit ebensoviel Humor und Zärtlichkeit, Atmosphäre, Farben und Lebensgefühl des Südens einzufangen.

„Zwischen allen Stühlen“ – Die Tagebücher Victor Klemperers


Multimediale Lesung mit Theaterwissenschaftler Olaf Jelinski
28. Oktober 2010, 20 Uhr
Eine Kooperation von Filmmuseum Potsdam und Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg

1949 wurden BRD und DDR gegründet, prägnantes Ergebnis einer Konfrontationspolitik von der die Nachkriegszeit bestimmt war. Um den Spuren und Zäsuren der Entstehungsgeschichte beider deutschen Staaten nachzugehen, stellen die Tagebücher des Romanisten und Universitätsprofessors Victor Klemperer ganz besondere Zeitzeugnisse dar. Nach der Befreiung wollte sich der unter den Nationalsozialisten verfolgte und von seinem Katheder verdrängte Victor Klemperer aktiv am Aufbau eines neuen Deutschlands beteiligen. Angesichts der konsequenteren Politik der Kommunisten gegenüber den ehemaligen Nazis, hielt er dafür die sowjetische Besatzungszone und später die DDR für geeigneter. Er zog mit seiner Frau Eva zurück in sein Haus in Dresden-Dölzschen, aus dem sie 1940 vertrieben worden waren. Doch kamen ihm bald angesichts der stalinistischen Tendenzen in Ostdeutschland ernste Zweifel an der gewählten Alternative. Der Titel der Ausgabe seiner Tagebücher von 1945 bis 1959, „So sitze ich denn zwischen allen Stühlen“, gibt diesem tiefen Konflikt Ausdruck.
In einer multimedialen Lesung wird der Theaterwissenschaftler Olaf Jelinski der Atmosphäre des Jahres 1949 nachspüren. Ausgewählte Passagen aus den Tagebüchern Victor Klemperers werden von korrespondierenden Wochenschauen aus Ost und West begleitet. Die mediale Reflexion von zentralen Ereignissen aus Politik, Kultur und Alltagsleben kombiniert mit den Gedanken und Gefühlen Victor Klemperers zeichnen ein außergewöhnliches Stimmungs- und Lagebild aus der Frühphase des geteilten Deutschlands.
(Eintritt frei)


Stummfilm mit Livemusik: Die Frau, nach der man sich sehnt


Im Begleitprogramm zur Ausstellung: „Preußens Eros – Preußens Musen” im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte
27. November 2010, 20 Uhr

Die Frau, nach der man sich sehnt
R: Kurt Bernhardt, D: Marlene Dietrich, Fritz Kortner, D 1929, 76’
Auf der Zugfahrt in die Flitterwochen begegnet der Industriellensohn Henri Leblanc der geheimnisvollen Stascha. Ihre Schönheit zieht ihn in ihren Bann. Stascha sucht Schutz vor dem Verbrecher Dr. Karoff, der mit ihr reist. Blind entschlossen der Schönen zu helfen, lässt Henri seine Braut zurück, folgt den beiden nach Cannes und führt ein tragisches Finale herbei.
Stilistisch einprägsames Melodram, in dem Marlene Dietrich – kurz vor Ende der Stummfilm-Ära – erstmals als Femme fatale brillierte.
An der Welte-Kinoorgel: Helmut Schulte
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