5.6. bis 5.12.2010
Ersehnte Ziele jedes Filmemachers sind ein gelungener Film und volle Kinosäle. Und mindestens als Sehnsucht Nummer drei gilt die Aufmerksamkeit der Fachöffentlichkeit, die sich in einem Festivalpreis manifestiert.
Natürlich gibt es im Filmmuseum Potsdam auch eine Sammlung solcher Trophäen. Sie enthält Filmpreise, aber auch Präsente und Urkunden, die auf Filmveranstaltungen, Premieren oder als Fangeschenke überreicht wurden. Die optische Präsenz dieser Objekte, ihre zum Teil bizarre Gestaltung sind erstaunlich.
Zu den umwerfenden Beispielen gehört der Preis „Goldene Apsara“, den das 1.Internationales Film-Festival Phnom-Penh 1968 dem DEFA-Film „Die gefrorenen Blitze“ zuerkannte. Auch der „Große Steiger“, der beim Nationalen Filmfestfestival der DDR verliehen wurde, oder ein goldenes Raumschiff vom utopischen Filmfestival Triest sind echte Überraschungen. Ausstellungsbesucher werden auch einen der Lieblingspreise der Deutschen, den Bambi, anschauen können, Daniel Brühl bekam ihn für seine Rolle in „Good bye Lenin".
PRESSE
Foyerschau zeigt Ehrungen
Märkische Allgemeine Zeitung, Ricarda Nowak, 6.6.2010
Während dem Oscar als Filmpreis so gar nichts Sonderbares anhaftet, erscheint die „Nabelschere“ doch hinreichend skurril. Gefreut hat sich Christa Kozik über diese Auszeichnung, die sie 1978 beim Kinderfilmfestival in Salzburg vom Publikum für ihr Drehbuch „Philipp, der Kleine“ bekam, vermutlich trotzdem. Außer der „Nabelschere“ werden in der aktuellen Foyerschau im Filmmuseum rund 100 Trophäen und Urkunden gezeigt, die von Mannheim bis Manila überreicht wurden.
Kuratorin Ines Belger entriss die Schätze dem Museumsarchiv. Deshalb können Besucher seit Freitagabend über ein goldenes Raumschiff vom Utopischen Filmfestival Triest (Italien), den geschnitzten „Großen Steiger“ vom Nationalen Filmfestival Karl-Marx-Stadt oder über den „Findling“ eines DDR-Filmklubs staunen. Ein Oscar fehlt in der Ausstellung, „den wollte uns bislang keiner der Gewinner überlassen“, bedauerte die Kuratorin. Dafür stehen andere Gold-Trophäen in den Vitrinen. Regisseur Andreas Kleinert stiftete dem Filmmuseum den „Jupiter“ von 1999 – Leserpreis des Filmmagazins „Cinema“ für seine Fernsehproduktion „Klemperer“. 2003 freute man sich im Filmmuseum über eine weitere Dauerleihgabe. Schauspieler Daniel Brühl stellte Deutschlands bekanntesten Medienpreis „Bambi“ zur Verfügung, den es für „Good bye, Lenin!“ gab.
Zu den Filmpreisen gesellen sich in der Schau noch andere Ehrungen. So wurde Ufa-Star Ilse Werner für zehn Jahre unfallfreies Fahren und Defa-Schauspieler Harry Hindemith für seine erfolgreiche Teilnahme am Urlaubermassensport ausgezeichnet. Kameramann Horst Klein erhielt für „vorbildliche Leistungen“ eine Plakette der Schutzpolizei. Mit der Vernissage wurde gleichzeitig der 70. Geburtstag des Regisseurs und ehemaligen Kulturbeigeordneten (1994 bis 1999) Claus Dobberke begangen. Unter den rund 100 Gästen befanden sich die beiden Ex-Stadtoberhäupter Brunhilde Hanke und Horst Gramlich sowie Amtsinhaber Jann Jakobs.
RALF SCHENK über Fliegende Ochsen, Große Steiger und andere Filmpreise
Berliner Zeitung, Ralf Schenk, 29.7.2010
Von der letzten Oscar-Verleihung wurde uns eine schöne Anekdote übermittelt. Bekanntermaßen war Michael Haneke für sein „Weißes Band” nominiert, und fast jeder hier zu Lande hätte die Wette gewagt, dass er nach vielen anderen Auszeichnungen auch diesen begehrtesten aller Filmpreise gewinnt. Aber es kam anders, Haneke ging leer aus. Als das Ergebnis verkündet wurde, drehte sich der vor ihm sitzende französische Regisseur Jacques Audiard, dessen Gefängnisdrama "Un prophète" ebenfalls nominiert war und keinen Oscar erhalten hatte, zu ihm um und flüsterte ihm lächelnd zu: "Loser, loser", was auf gut Deutsch nichts anderes heißt als "Verlierer" und dem sieggewohnten, äußerst selbstbewussten Haneke den Abend zusätzlich vergällte.
Es ist ja wirklich gemein, seinen Hintern schon halb erhoben zu haben und ihn dann doch wieder auf den Stuhl zurückfallen lassen zu müssen. Auch Frank Beyer konnte ein Lied davon singen, nachdem er 1977 nach Los Angeles gebeten worden war, wo seine Jurek-Becker-Adaption "Jakob der Lügner" für den Auslands-Oscar nominiert wurde und ihn dann nicht bekam. Es war das einzige Mal, dass ein Defa-Film in die Reichweite des Oscars gelangte. Es sollte nicht sein. Und so fehlt der Oscar im Reigen der Auszeichnungen, die im Potsdamer Filmmuseum zu bewundern sind.
Rund hundert Orden, Trophäen und Urkunden hat die Kuratorin Ines Belger für diese Schau im Foyer des Marstalls zusammengetragen, unter anderem den geschnitzten „Großen Steiger", den Hauptpreis des DDR-Spielfilmfestivals im damaligen Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz), den „Fliegenden Ochsen" vom FilmKunstFest Schwerin und ein „Goldenes Raumschiff" vom Science-fiction-Festival Triest. Exotisch mutet die "Goldene Apsara" an, eine filigrane buddhistische Statue, mit der einst der Defa-Film "Die gefrorenen Blitze" (1967) über die Raketenversuche Wernher von Brauns geehrt wurde. Der kambodschanische König Sihanouk war damals höchstselbst zugegen: Das Internationale Filmfestival Phnom Penh, für das die halb menschliche, halb göttliche Fantasieschönheit entworfen worden war, überlebte allerdings nur kurze Zeit. Zu den Kuriositäten der Ausstellung zählt eine „Nabelschere", ausgelobt beim Kinderfilmfestival Salzburg: Christa Kozik erhielt sie für "Philipp der Kleine" (1976).
Alle Exponate, auch die ausgestellte Urkunde für zehn Jahre unfallfreies Fahren aus dem Nachlass des Ufa-Stars Ilse Werner, werden sonst im Archiv des Filmmuseums gehütet. Das ist inzwischen eine Fundgrube für jeden, der sich mit der Historie der Filmstadt Babelsberg, ja des gesamten deutschen Kinos vertraut machen möchte. Ob dieses Archiv in den kommenden Jahren weiter wachsen wird, hängt nicht zuletzt von der Finanzlage des Hauses ab. Die Sparmaßnahmen des Landes Brandenburg wirken sich inzwischen erdrückend auf alle Bereiche des Potsdamer Filmmuseums aus. Wegen des eingestrichenen Etats musste das Kino sein Programm ausdünnen; selbst die dringend notwendige Digitalisierung der Kinotechnik ist in weite Ferne gerückt.
Um den Kopf aus der Einsparungsschlinge zu bekommen, hat sich die Leitung des Hauses entschlossen, die Eigenständigkeit des Filmmuseums zum Jahresbeginn 2011 aufzugeben und es zu einer Art "Institut" der Babelsberger Filmhochschule zu machen. Dabei spielt der Gedanke eine Rolle, dass im Bereich Bildung und Forschung weniger gespart werden wird als im Bereich Kultur. Ein strategisch kluger Schachzug - oder eine Idee, die ins Abseits führt, weil das Filmmuseum an der Filmhochschule immer ein Fremdkörper bliebe? Wir halten Sie auf dem Laufenden.




